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Ist Pre-Framing besser als Re-Framing?

Gepostet von am Februar 24, 2011 in Blog, Consulting | Keine Kommentare

Ist Pre-Framing besser als Re-Framing?

Angewandtes NLP im Business – Pre-Framing ist besser als Re-Framing

 

- Am praktischen Beispiel eines Projektteam Kick Offs -

Bevor wir anhand eines Beispiels in das Thema starten, hier eine kurze Definition aus dem NLP Lexikon der CNLPA, was im NLP unter dem Begriff Framing allgemein verstanden wird:

Frame ist der Rahmen, die Bedeutung für eine Aussage, eine Handlung, ein Ereignis. Framing bedeutet, etwas in einen Rahmen zu stellen, ihm Bedeutung zu geben. Bedeutungsgebung ist ein Prozess, der automatisch und unbewusst die ganze Zeit (Anm.: in jedem von uns innerlich) läuft. Etwas „Äußeres“ sinnvoll zu verarbeiten (es wahr-zu-nehmen) heißt: es in einen bedeutungsgebenden Rahmen zu stellen. Ohne diesen Prozess wären Menschen der Fülle „äußerer Daten“ ausgeliefert: sie würden die Orientierung verlieren und wären unfähig, sinnvoll zu handeln.

Im Auswahl-Prozess des Bewusstseins werden „äußere Daten“ automatisch in abstrakte Modelle verwandelt. Weil in diesem Prozess nur Modelle entstehen, ist jeder Frame, jeder Rahmen, jede Bedeutungsgebung im Prinzip und in einem gewissen Ausmaß veränderbar. Re-Framing bedeutet, einen neuen Rahmen zu konstruieren, eine neue Bedeutung zu geben.“

In diesem Sinne bedeutet Pre-Framing für uns, die wesentlichen Bedeutungsrahmen für einen bestimmten Kontext schon vorneweg „zu setzen“, damit der Kommunikationspartner erst gar nicht in die missliche Lage gerät, die Orientierung im Gespräch zu verlieren oder damit beginnt, die Informationen unpassend oder contra-produktiv innerlich einzusortieren und sich dementsprechend zu verhalten.

Nun aber zur alltäglichen Praxis…

Wer hat es nicht schon bei der Arbeit erlebt? Alle relevanten Personen für ein Meeting sich endlich terminlich unter einem Hut, die Inhalte sind tatsächlich noch rechtzeitig vorbereitet worden und voller Enthusiasmus startet nun das wichtige Meeting mit den besten Absichten und viel Engagement aller Beteiligten und zwar…direkt mit der Besprechung der Inhalte. Im besten Fall werden vielleicht sogar vorher noch schnell ein Moderator und der Zeitrahmen festgelegt.

Nach einem tollen Start, sieht die ganze Situation aber schon nach kurzer Zeit etwas anders aus. Unbewusst verfolgen die Teilnehmer sehr unterschiedliche Absichten, was sich auf der beobachtbaren Ebene der Kommunikation und des Verhaltens eventuell so darstellen könnte:

  • Während manche noch über das Thema brainstormen und neue Ideen entwickeln, wollen die anderen die „PS auf die Straße bringen“ und konkret mit den Ergebnissen werden.
  • Einige versuchen noch die Inhalte der kurz vorher verschickten Folien zu verstehen, während andere gerade in der Detaildiskussion eines Fachaspektes versinken möchten.
  • Auch entschieden muss ja werden! Oder war dieses Meeting womöglich gar nicht dafür gedacht, eine Entscheidungsvorlage zu verabschieden? Vielleicht ging es ja darum, ein Thema aus Fachexpertensicht auf Herz und Nieren zu prüfen? Oder auch nur noch mal kreativ über die Grenzen des vorgelegten Konzeptes hinaus nachzudenken? Oder, …?

Nun, sehen auch Sie hier Aspekte, die ihnen aus dem Alltag bekannt vorkommen? Wir könnten wohl gemeinsam noch viele ähnliche Beispiele finden, in denen die Absichten, Rollen und Selbstverständnisse nicht allen Teilnehmern im Meeting von Anfang an klar sind. Hier entsteht oft durch ein einfaches Missverständnis ein großer Verlust an Zeit, Energie und Motivation zur weiteren proaktiven Mitarbeit der Teilnehmer und eine Menge Ärger.

Wir sehen also, hier bewahrheitet sich die altbekannte These, dass die gutgemeinten Lösungsversuche und Herangehensweisen von heute, nicht selten schon unsere (selbstgemachten) Probleme von Morgen sind.

Was hat nun NLP und der Ansatz des Pre-Framings mit dieser Situation zu tun bzw. was und wie kann es diese verbessern oder grundsätzlich vermeiden?

Praktisch gesehen beschäftigt sich Pre-Framing im NLP ja damit, welche vorweggenommenen kommunikativen bzw. bededeutungsgebenden Rahmen eine Situation zugunsten aller Beteiligten so erfolgreich beeinflusst, damit sie gemeinsam mit dem richtigen Fokus effektiv in die gewünschte Richtung gehen können. Beim Pre-Framing schafft man diese Rahmen vorher in der Einleitung des Meetings oder sogar schon im Einladungstext. Mit einem guten Pre-Framing eines Meetings, können also wesentliche Störfaktoren in der Zusammenarbeit von vornherein vermieden werden und die Teilnehmer sind in die Lage versetzt, gut orientiert wahrzunehmen, sowie sinnvoll in Bezug auf das Thema zu handeln und zu entscheiden.

Der wichtigste Aspekt scheint hier, von Anfang an den mentalen Rahmen und das Rollen-Verständnis der Teilnehmer bewusst zu definieren. Dadurch entsteht eine Arbeits-Atmosphäre, in der man weiß, woran man ist. Sie kann angenehm und klar sein und auch fordernd und offenlegend. So können sich alle Teilnehmer entsprechend ihrer Rolle, ihren Fähigkeiten und Funktionen zum Wohle des Themas effizient einbringen bzw. die relevanten Informationen aufnehmen.

Noch ein kurzes Beispiel dazu:

Vielleicht haben Sie diese Form der Auswirkung fehlenden Pre-Framings ja auch schon mal erlebt … Hat man nämlich ein aufgewecktes Team und fehlen diese grundlegenden Rahmen, gibt es oft schlaue Teilnehmer, die diese sofort nachfragen. Oder denken Sie an eine Teamübung, die Sie schon mal angeleitet oder mitgemacht haben: wird eine wichtige Regel (ein Rahmen) der Übung am Anfang vergessen, gibt es sicher jemanden, der die Ausnahme findet. Und dann ist es seeeehr schwer, die Regel oder Teamvereinbarung noch „nachzuschieben“, da sowohl schon ein innerer Prozess, als auch ein Teamprozess zum Thema stattfand. Wir sind im wahrsten Sinne über die Generationen hinweg seit ein paar tausend Jahren darauf trainiert, automatisch so zu funktionieren. Seit unser Bewusstsein in der Lage war, Ereignissen in der direkten Umgebung direkte Bedeutungszusammenhänge zu geben und diese in eine zeitliche Vorstellungen der Auswirkung zu bringen. Dies begann nach der Meinung der meisten Fachexperten im Bereich Bewusstseinsforschung so ca. zwischen achttausend bis viertausend v.Chr. mit der Entwicklung der Ackerbaugesellschaften und frühen Hochkulturen der Menschheit.

Wie sieht das nun praktisch aus?

Folgende Aspekte sollten als Pre-Frame in jedem Meeting vom Moderator, Einladenden oder Leitenden definiert werden:

  • Das Thema und die Absicht des Meetings
    • „Worum geht´s, wo soll´s hingehen und welche Ergebnisqualität soll am Ende rauskommen?“
  • Der Kontext
    • „In welchem Rahmen sollten die Teilnehmer dabei denken? Gibt es Grenzen und Rahmen?“
  • Die Rollen und Funktionen der Teilnehmer
    • „Wer ist weshalb da und mit welchem Fokus?“ (Fachexperte, zur Wissensvernetzung, zur Infoaufnahme, zur Entscheidung, Moderation, Wissensvermittler, Lehrer, Trainer, etc.)
  • Das Beziehungsverhältnis innerhalb der anwesenden Gruppe
    • „Wer setzt die Rahmen? Wer schaut auf die Einhaltung? Gibt es zu beachtende Hierarchien? Wer spricht aus welcher Rolle zu wem? Entscheiden alle oder Einzelne?“
  • Evtl. noch eine schöne Metapher, die den Kontext und die Rollen bildhaft verdeutlichen kann. Ganz nach dem Motto: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“

Zur Verdeutlichung hier ein kurz gehaltenes Beispiel aus der Praxis zu einem Kick Off Meeting eines unternehmen-übergreifenden Projektes innerhalb eines Strategieentwicklungs-Programms eines jungen mittelständischen Unternehmens aus der IT Branche von ca. 360 Mitarbeitern. Einiges war vor diesem Meeting schon passiert, manche Teilnehmer waren stärker und manche noch gar nicht in das Gesamtprogramm aktiv mit eingebunden gewesen:

  • Hallo Zusammen und herzlich willkommen zu unserem Kick Off Meeting des unternehmen-übergreifenden Projektes „Überarbeitung des Produktentstehungsprozesses“! Alle Anwesenden kennen mich ja schon aus Einzelgesprächen als Programm-Manager des übergreifenden Strategie-Entwicklungsprogramms und in dieser Rolle begleite ich alle startenden unternehmens-übergreifenden Projekte bei ihrem Kick Off in der Moderation und mit zentralen Informationen, so dass sie sich gleich ganz auf die Inhalte konzentrieren können. Sie sind heute hier als die vom Management der ersten Berichtsebene ausgewählten Fachexperten für dieses Thema. In diesem Meeting geht es im ersten Schritt um drei Aspekte:
    • Einen Überblick auf das zentrale Strategieentwicklungsprogramm zu erhalten und Ihre Rolle darin als Projektteam zu verstehen. Diesen Informationsblock werde ich übernehmen.
    • Dann natürlich die Thematik und Beauftragung des Projektes genau zu verstehen. Dafür ist extra Herr Müller aus dem Managementteam heute hier, das das Projekt als für das Unternehmen wichtige und anzugehende Maßnahme identifiziert und beschlossen hat. Er wird das Thema inhaltlich vorstellen und Sie werden die Möglichkeit haben, alle Ihre inhaltlichen Verständnisfragen dazu zu stellen.
    • Und zum Dritten wollen wir heute hier schon den ersten inhaltlichen Schritt mit Ihnen als Experten gehen und in einem ersten Brainstorming die Sicht der Fachexperten des Unternehmens auf das Thema genau beleuchten.
  • In diesem Sinne bin ich schon sehr gespannt auf dieses Kick Off Meeting, denn die ganze Fachexpertise des Unternehmens zum Projektthema ist ja heute hier versammelt. Und nachdem Sie zu Anfang einige Informationen zum Gesamtprogramm und auch zu den inhaltlichen Absichten des Projektes erhalten haben, können Sie sich auf der inhaltlichen Ebene im Brainstorming voll austoben und Ihren Ideen, Sichtweisen und Vorstellungen freien Lauf lassen. Die Bewertung der Ideen, Brennpunkte und zu lösenden Fragen werden wir dann in den nächsten Meetings vornehmen.
  • Bevor wir nun gleich eine Vorstellungsrunde aller Anwesenden machen, möchte ich Ihnen noch kurz die Meeting-Agenda in ihrem zeitlichen Ablauf vorstellen…

Ein interessantes Anschlussthema aus dem Coaching mit NLP – „die unbewusste Leitfrage“:

Als wichtig hat sich zu diesem Thema des Pre-Framing bei der Arbeit mit unseren Coachees auch noch erwiesen, die unbewusste Leitfrage bei Auftaktreden und der weiteren Arbeit vor den Gruppen bewusst zu machen. Die Arbeit an und mit den inneren Leitfragen und Absichten ist natürlich ein eigenes ausführliches Thema im Coaching mit NLP, aber kurz gefasst kann man dies so beschreiben:

Wir alle haben unbewusst innerhalb unserer individuellen Glaubenssysteme – also sozusagen im Hintergrund laufende – Absichten und Leitfragen, mit der wir vor einer Gruppe stehen und unsere Auftaktreden und Pre-Frames gestalten. Je hilfreicher diese „Leitfragen“ unser bewusstes Tun automatisch unterstützen, desto besser. Ein kurzes Beispiel…

  • Eine einschränkende unbewusste Leitfrage könnte so lauten:
    „Wie komme ich hier möglichst schnell zum Ergebnis?“
    „Bin ich gut genug und ist das, was ich sage, für alle Interessant?“
    „Bekomme ich die Aufmerksamkeit von ALLEN?“
  • Eine förderlichere Leitfrage könnte so lauten:
    „Was braucht diese Gruppe und jeder einzelne an Informationen, Rahmen und Unterstützung, um möglichst effektiv zum gewünschten Ergebnis zu kommen?“

Wie Sie sicher schnell bemerkt haben, wird die Art der unbewussten Fragestellung im Hintergrund den Fokus des Vortragenden verändern und damit auch automatisch die Art der Informationsvermittlung vor der Gruppe beeinflussen. Die meisten guten Führungskräfte, Moderatoren und Redner sind sich ihrer diesbezüglichen Glaubenssysteme, Vorannahmen, Absichten und Leitfragen sehr bewusst und sorgen mit der richtigen Ausrichtung der Fragen vor dem Sprechen für eine hohe Selbstverständlichkeit vor der Gruppe und leiten das Thema damit effizient und effektiv zum gewünschten Ziel.

Gerne unterstützen wir Sie natürlich in einem persönlichen Coaching bei der Vorbereitung des Pre-Framings eines wichtigen Meetings, Treffens oder einer Rede und freuen uns auf den persönlichen Kontakt mit Ihnen.

Mit herzlichen Grüßen,

Michael Löhlein

NLP Trainer
(Zertifiziert nach den Verbänden: INLPTA, DVNLP und Deutscher NLP Coaching Verband e.V.)

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