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Gruppendynamik in Blended Learning Szenarien fördern

Gepostet von am Februar 3, 2011 in Blog, e-Learning, eEduLounge | Keine Kommentare

Gruppendynamik in Blended Learning Szenarien fördern

Daß die onlinegestützte Kommunikation mit vielerlei Herausforderungen gespickt ist, wurde mittlerweile hinreichend untersucht, konträr diskutiert und ausführlich dokumentiert.

Als ein Beispiel dafür mögen diese Ansätze dienen: Das Kanalreduktionsmodell postuliert, daß aufgrund der bei der asynchronen computergestützten Kommunikation wegfallenden non-verbalen Anteile die Kommunikationsinhalte weniger relational sind als bei „face to face“ Situationen. Es wäre also zu erwarten, daß eine onlinegestützte Gruppenarbeit unter diesen Umständen schwierig bis unmöglich erscheint. Das Modell der reduzierten sozialen Hinweisreize hingegen begrüßt im Rahmen der computergestützten Kommunikation den Wegfall sozialer Kontexthinweisreize. Der soziale Status des jeweiligen anonymen Gegenübers ist ohne weiteres nicht zu erkennen, darauf beruhende motivationale Einschränkungen bei der Beteiligung an online Diskussionen verlieren ihre Wirksamkeit.

Das Kanalreduktionsmodell und das Modell der reduzierten sozialen Hinweisreize sind beileibe nicht die einzigen Modelle, Thesen, Theorien oder Ansätze, die sich auf computergestützte Kommunikation auswirken (vgl. Wissenspsychologie Wiki, Computervermittelte Kommunikation). Neben dem Wissen um diese Theorien und ihre möglichen Herausforderungen für die online stattfindende Kommunikation und somit auch für das computergestützte interagierende Lernen und für die Betreuung der Kommunikation während onlinegestützter Lernszenarien stellt sich die Frage, welche Vorbereitungen getroffen werden können, um E-Learning zu unterstützen. Oftmals werden die bekannten Theorien herangezogen, um während der Durchführung auf dann auftretende Probleme gut und richtig reagieren zu können. Es werden also gleichsam die Symptome während der Kommunikation bearbeitet, nicht aber deren Ursachen.

Hier könnte es lohnend sein, einen weiteren, häufig im Zusammenhang mit E-Learning genannten Ansatz näher zu betrachten, nämlich das SIDE-Modell (Social Identity model of Deindividualtion). Dieses Modell beschreibt, daß die Salienz, die auf Seiten der Teilnehmer zu Beginn dominant ist, das Verhalten im Verlaufe der computergestützten Kommunikation vorgibt. Ist zu Beginn einer Interaktion die individuelle Identität der Person salient, orientiert sie sich an persönlichen Normen. Ist aber zu Beginn der Interaktion ihre Gruppenidentität salient, wird sie sich im Laufe der onlinegestützten Interaktion an den Normen der Gruppe orientieren.

Diese Erkenntnis offenbart interessante Möglichkeiten für ein Blended-Learning Konzept. Denkbar wäre beispielsweise ein Ein-Tages oder Wochenendseminar. Ziel dieses Präsenzseminares wäre es, die  Salienz der Teilnehmer an ihrer Gruppenidentität auszurichten, um ideale Voraussetzungen auf Seiten der Teilnehmer zu schaffen, gruppenorientierte Lernszenarien auch online durchführen zu können.

Eine Präsenzveranstaltung zu Beginn eines Blended Learning Szenarios kann grundsätzlich viele Gründe haben. Der Fokus der Teilnehmer liegt sicher auf inhaltlichen Fragen, auf einer ersten Einführung in das Thema des gesamten Kurses. Aber auch darin, andere Teilnehmer und insbesondere auch die Dozenten kennenzulernen und letztere hinsichtlich ihrer Fachkompetenz einzuschätzen. Ergänzen ließe sich dies nun um Maßnahmen, die es ermöglichen, eine Gruppenidentität zu fördern. Dazu wäre es notwendig, daß sich die Teilnehmer als Teil einer Gruppe verstehen lernen, die entsprechenden Normen verinnerlichen, ihre Mit-Teilnehmer in der Gruppe kennenlernen und einen gruppendynamischen Prozess durchlaufen, an dessen Ende die Chance besteht den vielbeschworenen Team-Geist zu entwickeln. Dieser Team-Geist wäre Begründer der gewünschten salienten Gruppenidentität.

Teamentwickelnde Seminare sind mittlerweile fester Bestandteil vieler Weiterbildungs- und Consulting-Unternehmen. Die erforderlichen Methoden gehören dabei zum Repertoire, finden zum Beispiel in Outdoor-Trainings statt und führen die Teilnehmer durch „Spinnennetze“, über „Hochseilklettergärten“ oder entlang von „Mohawk-Pfaden“. Vieler dieser Methoden sind weniger aufwändig, als sie zunächst klingen und lassen sich im Rahmen eines Ein- oder Zweitagesseminares gut durchführen. Die Teilnehmer sehen diese Übungen oft als angenehme Auflockerung, andererseits lassen sich aus Sicht des/der Dozenten sehr aufschlussreiche Erkenntnisse über den Gruppenprozess gewinnen.

Sicher ist die Durchführung gruppendynamischer Übungen im Vorfeld eines Online Lernszenarios kein Garant für erfolgreiches Lernen. Dieses hängt letztlich von sehr viel mehr Faktoren ab, die es ebenfalls zu berücksichtigen gilt. Eine saliente Gruppenidentität der Teilnehmer zu Beginn eines Lernszenarios kann sich jedoch sehr positiv auf das e-interagierende Lernen auswirken, was sich in zahlreichen Projekten bereits bewährt hat. Ein weiteres Indiz dafür, das Ergebnisse aus der pädagogischen und psychologischen Forschung durchaus praktische Anwendung finden können …

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