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Der Konnektivismus – Trend, Eintagsfliege, Lerntheorie oder -konzept?

Gepostet von am Juli 1, 2010 in Blog, e-Learning, eEduLounge | Keine Kommentare

Der Konnektivismus – Trend, Eintagsfliege, Lerntheorie oder -konzept?

Als Konnektivismus wird eine Lernkonzeption verstanden, die als Folge des multimedialen Lernens und dessen Möglichkeiten und Neuerungen entstanden ist (George Siemens, 2005). Diese Konzeption gibt dem Lernen im und durch das Netz und das Netzwerk eine zentrale Bedeutung.

Behaviorismus oder Kognitivismus, selbst Konstruktivismus reichen demzufolge nicht mehr aus, um der Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft Rechnung zu tragen. In einer globalisierten Welt ist es kaum mehr möglich, alle Erfahrungen am eigenen Leibe zu durchleben, zumal das Wissen in exponentiellem Ausmaß wächst, wobei im Umkehrschluß sehr viel Wissen auch sehr schnell veraltet. Damit muß sich die Art des Lernens und der Kommunikation verändern. Laut Siemens hat es das auch schon getan, denn das Lernen erfolgt in einem Wechselspiel zwischen Individuum und Umwelt und ist dabei grundsätzlich an einen Kontext gebunden. Wobei der größte Teil des Wissens eines Individuums durch andere Individuen, Organisationen oder Datenbanken aufgenommen wird. Dies macht deutlich, daß Lernen ein Prozess ist, der nicht nur von einem Individuum, sondern auch in hohem Maße von dessen Umfeld abhängig ist. Die Sicherung des Wissens kann also nur dann problemgerecht und aktuell erfolgen, wenn bedarfsgerechte Netzwerke vorhanden sind.

Ein konnektivistisches Lernsystem benötigt also eine offene Lernumgebung, welche außerdem eine Anzahl an Interaktionsmöglichkeiten für die Netzwerkteilnehmer bietet. Die Teilnehmer müssen die Fähigkeiten mitbringen, für ihren Lernprozess relevantes Wissen identifizieren, bewerten, beschreiben und gemeinsam weiter entwickeln zu können. Ein Lehrender, so vorhanden, übernimmt die Rolle eines Mentors, der aktiv zuhört, bei Bedarf Feedback gibt oder berät. Dabei stellt er nicht nur die Mittel und Methoden zur Verfügung sondern schafft aktiv der Entwicklung förderliche Situationen, die eine optimale Wissensaneignung unterstützen.

Sicherlich ist der Konnektivismus keine Lerntheorie im eigentlichen Sinne, eher ein Lernkonzept. Dieses greift die gesellschaftlichen Veränderungen hinsichtlich des Lernens auf und fügt diese Konsequent in Lernprozesse ein. Insbesondere Instrumente des Web 2.0 stehen dabei im Mittelpunkt und erlangen Bedeutungszuwachs, da sie bereits heute schon den Austausch von Wissen und die Entwicklung von Kompetenz in Netzwerken über das Internet unterstützen. Somit kann der Konnektivismus als eine Erweiterung bestehender Lerntheorien aufgefaßt werden, die insbesondere die gesellschaftlichen Veränderungen als Antwort auf die Globalisierung im Lernverhalten aufgreift.

Mittlerweile existieren etliche Tools, die darauf abzielen, den Konnektivismus und die Ansätze George Siemens´ umzusetzen. Ein Beispiel ist pipes.yahoo.com. Es basiert auf der Idee, daß die Pipes (siehe obige Abb. aus: George Siemens, Knowing Knowledge, 2006) letztlich wichtiger sind, als der eigentliche Inhalt und man über diese Pipes immer wieder zu relevanten Ergebnissen gelangen kann. Ausprobiert und kurz beschrieben wurde die Yahoo Anwendung im Weblog „Lernen heute“. Ebenfalls auseinandergesetzt hat sich mit den Pipes Zeit Online.

Die dabei erzielten Ergebnisse lassen teilweise fast schon an semantische Konzepte denken – eventuell also eine Art Vorläufer für das sogenannte Web 3.0 der Zukunft?

Anm.: Dieser Artikel ist auch im eL-Tut Blog erschienen, dort finden sich die Kommentare.

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